Amusing Ourselves to Death - Rezension

Galerie zum Buch Amusing Ourselves to Death
Buchumschlag von Amusing Ourselves to Death
Meine Meinung
Wer Lust hat sich diesem gut recherchierten Buch über die amerikanische Kultur zu widmen, braucht etwas Durchhaltevermögen und einen Kaffee als Unterstützung der eigenen Synapsen.
Ein starker Tee geht auch.

Medienwissenschaftler Neil Postman schreibt sachlich, um nicht zu sagen trocken, vom gesellschaftlichen Wandel im Zeitalter der Unterhaltungsmedien.
In den ersten Kapiteln treibt er den Leser durch den Urschleim des Buchdrucks im Auftrag der allgemeinen Medienkunde. Es lohnt sich durchzuhalten, denn ungefähr nach 100 Seiten leitet das Kapitel "Das Zeitalter des Showbusiness" den zweiten Teil des Buches ein, in dem es um (damalige) aktuelle Kulturereignisse geht.
Was es umso beeindruckender macht ist, dass viele Themen auch heute, 20 Jahre nach erscheinen der ersten Ausgabe, an Aktualität nicht verloren haben.

Spricht Postman von der Entwicklung der Politiker hin zu Personen des öffentlichen Entertainments und vom raketenhaften Sieg von durch den Einsatz kurzer Werbespots, musste ich unweigerlich an Donald Trump und seine fast komödiantischen Unterhaltungseinlagen im Wahlkampf zum Präsidenten der USA denken.

Auch vergleicht Postman die Zukunftsvisionen von Huxley ("Schöne neue Welt") und Orwell ("1984") mit der damaligen Zeit. Während Huxley wohl in seinem Werk von einer Bagatellisierung der Welt schreibt (ich habe das Buch noch nicht gelesen) zeichnet Orwell bekanntermaßen eine Zukunft der Überwachung. Er sucht ausführlich nach Anzeichen einer solchen Entwicklung und widmet sich dabei hauptsächlich dem Fernsehen.
Große Teile des Buches handeln somit vom damals recht neuen Medium und dessen Einfluss auf die Gesellschaft, in der die Unterhaltung jeglichen intelligenten Diskurs verdrängt. Mich würde brennend interessieren, wie er die gesellschaftliche Prägung durch das Internet bewerten würde.

Neil Postman hat sich in späteren Werken weiterhin mit solchen Themen auseinandergesetzt, wer Inspiration für weitere Lektüre braucht kann sich z. B. bei Wikipedia schlau machen.

Ein insgesamt recht anstrengendes, aber interessantes Buch. Nicht gerade etwas für den Strand.
Von der Instrumentalisierung der Medien zu lesen, finde ich super spannend. Ich denke es ist wichtig, sich dessen bewusst zu sein und die Wirkung auf die Menschen zu verstehen, damals wie heute.
Fakten
Originaltitel
Amusing Ourselves to Death
Deutscher Titel
Wir amüsieren uns zu Tode
Autor
Genre
Sachbuch
Seiten
207
Verlag
Sprache
Englisch
Ausgelesen am
23.01.2016
Erhältlich bei
Amazon
Meine Bewertung

6 Herzen

Klappentext
„Problematisch am Fernsehen ist nicht, dass es uns unterhaltsame Themen präsentiert, problematisch ist, dass es jedes Thema als Unterhaltung präsentiert.“ Neil Postman
Lieblingsstellen

«Fakten drängen sich ins Bewusstsein und werden von anderen wieder verdrängt, und zwar mit einem Tempo, das eine eingehende Prüfung weder zulässt noch fordert.»

«Wenn ein Volk sich von Trivialitäten ablenken lässt, wenn das kulturelle Leben neu bestimmt wird als eine endlose Reihe von Unterhaltungsveranstaltungen, als gigantischer Amüsierbetrieb, wenn der öffentliche Diskurs zum unterschiedslosen Geplapper wird, kurz, wenn aus Bürgern Zuschauer werden und ihre öffentlichen Angelegenheiten zur Varieté-Nummer herunterkommen, dass ist die Nation in Gefahr - das Absterben der Kultur wird zur realen Bedrohung.»

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